Goldene Krone Darmstadt Goldene Krone Darmstadt
Halfblind Henry / 60s & 70s Folk
Montag 09.11.2020
Kneipe
Einlass: 19 h/ Beginn: 21 h     / Eintritt frei
"Something good is a-coming round the bend" beginnt ein Song von Halfblind Henry verhei├čungsvoll. Wenn Henry zur Gitarre greift, trifft das zu: es kommt was Gutes, aber man wei├č vorher nicht genau, was. Henry ├╝brigens auch nicht unbedingt. Auf seinen Konzerten spielt er ├╝berwiegend eigene St├╝cke, hat aber auch immer spannende Mitbringsel von seinen ausgedehnten Streifz├╝gen durch die Musikgeschichte im Gep├Ąck, sei es Leonard Cohen, Little Feat, T.Rex, Bo Diddley oder Lou Reed - das Repertoire ist jedesmal f├╝r eine ├ťberraschung gut. Henrys Spiel erw├Ąchst aus der Stimmung des Moments und erschafft Musik f├╝r den Moment. Der versierte Gitarrist und furchtlose S├Ąnger ist mal laut, mal leise, mal zupackend und mal behutsam. Wenn er auf der B├╝hne steht, ist er immer ganz pr├Ąsent. Musik machen ist f├╝r ihn Aufgabe und Bestimmung, er stellt sich stets in den Dienst des Songs, sieht sich als Medium zwischen Song und Publikum.
Halfblind Henry klingt, als w├Ąre er in den Sechzigern und Siebzigern in London aufgewachsen und h├Ątte zuvor hundert Jahre in den S├╝dstaaten verbracht. Die Liste der Musiker, die ihn inspiriert haben, f├Ąngt an bei Sam the Sham and the Pharaohs, Lovin┬┤Spoonful und den fr├╝hen Bee Gees und h├Ârt bei Howlin┬┤ Wolf, Captain Beefheart und Scott Walker noch lange nicht auf. Er schreibt seine eigenen Songs und tr├Ągt sie pers├Ânlich vor. Deswegen wird er oft als Singer-Songwriter bezeichnet, jedoch, wie er sagt: was sagt das aus? ├ťber den S├Ąnger oder die Songs?

Henry ist Musiker, aber auch Geschichtenerz├Ąhler. Wie ein Chronist beobachtet er seine Umwelt und verarbeitet seine Eindr├╝cke zu Texten, die tiefgr├╝ndig, sarkastisch oder surreal sein k├Ânnen; die Musik komplementiert die Worte, ist Teil der Geschichte. Er sch├Âpft aus allen Quellen angloamerikanischer Songtradition, ist aber auf kein Genre festgelegt und stets offen f├╝r Experimente und unerwartete Wendungen. Die Verschmelzung verschiedener Elemente findet sich auch auf seinem vierten und neuesten Album "Inside the Gates of Splendourville" wieder, wo elektronische Kl├Ąnge und Ger├Ąuschkollagen auf das vertraute Instrumentarium treffen, und ist auch bei seinen B├╝hnenauftritten zu erleben.
Halfblind Henry entfaltet seine beachtliche musikalische Bandbreite bei Solo-Auftritten und nat├╝rlich erst recht bei Konzerten mit seiner Band, den "Instabilities", ein loser Verbund gleichgesinnter Musiker, ebenso versiert, furchtlos und abenteuerlustig, die sich in immer neuen Konstellationen zusammenfinden, um Henrys musikalischen Ideen zu verwirklichen. Ob Gitarre und Kontrabass, ob Akustiktrio, ob klassisch geschulte Streicher, die auf BigBand-Bl├Ąser treffen, ob eine Bluegrass-Geige die Songs veredelt, gemeinsam mit einer Jazzgitarre und einer japanischen Improvisationsk├╝nstlerin am Schlagzeug: eine Originalbesetzung gibt es nicht, daf├╝r ist jede Besetzung ein Original.

Halfblind Henry & His Instabilities starten meist ganz normal mit einer Setlist, spielen dann aber doch etwas anderes aus dem Repertoire. Oder auch au├čerhalb des Repertoires. "Something good is a-coming round the bend" stimmt immer, auch wenn man vorher nicht genau wei├č, welche "Instabilities" auf die B├╝hne kommen und was sie spielen werden.
Wenn's drauf ankommt, pa├čt sich die Band aber gezielt an die Spielst├Ątte oder den Verlauf des Rahmenprogramms an. Halfblind Henry & His Instabilities spielen auf B├╝hnen jeder Gr├Â├če, in Bars ohne B├╝hne oder auch auf Bootsfahrten. Als Party-Act l├Ąuten die Instabilties schon mal in gro├čer Besetzung den Abend ein, bis Henry im Morgengrauen ganz allein die letzten G├Ąste unter den Tisch spielt. Solo oder mit Band: ein Halfblind Henry Konzert ist jedesmal neu, jedesmal anders, und entt├Ąuscht nie.


Homepage
    
 Text ausdrucken