Goldene Krone Darmstadt Goldene Krone Darmstadt
Montagsmusik: Conny Ochs / Doom Folk
Montag 25.03.2019
Kneipe
Einlass: 19 h/ Beginn: 22 h     / Eintritt frei
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www.connyochs.com

Dass Musik gut ist, wenn sie berĂŒhrt, ist eine Binsenweisheit. Aber was braucht Musik, damit sie uns berĂŒhrt? Vor allem einen anderen Blickwinkel auf die Welt als unseren – die beste Geschichte ist die, die noch niemand erzĂ€hlt hat.

Conny Ochs liest die Welt intensiv und sieht Zeichen, die anderen verborgen bleiben. In seinen Songs erzĂ€hlt er davon, mit Inbrunst, Verve und Verletzlichkeit. Das neue Album “Doom Folk” geht neue Wege, zuweilen aber auch parallel neben den alten Pfaden.

Seit Jahren tourt Conny Ochs als RockÂŽn ‘Roll-Vagabund durch die Lande, von Konzert zu Konzert, meist solo, aber nie allein. Zeugen dieser Wanderung sind seine Alben “Raw Love Songs” (2011), “Black Happy” (2013) und “Future Fables” (2016): Reduziert aufs Wesentliche, auf eine Westerngitarre und eine mal flehende, mal fordernde, mal hoffende, mal bedauernde, jederzeit aber unverblĂŒmt ehrliche Stimme zelebriert Ochs seinen Blues-infizierten Landstraßen-Folk und ließ sich dabei nur selten von einer zweiten Stimme oder scheuen Percussions ein kurzes StĂŒck begleiten. Auch auf seinen zwei vielbeachteten Alben zusammen mit Doom-Legende Scott “Wino” Weinrich (“Heavy Kingdom”, 2012 und “Freedom Conspiracy”, 2015), vertonten im wesentlichen nackte Gitarren und pure Vocals große GefĂŒhle.

Nun meldet sich Ochs mit neuem Material zurĂŒck und schlĂ€gt dabei ĂŒberraschend neue Wege ein. Damit wir uns richtig verstehen: Auch “Doom Folk” ist ein Conny Ochs-Album durch und durch, voll dunkler TrĂ€umereien und eindringlicher Melancholie. Es finden sich gewohnt bittersĂŒĂŸe Singer-Songwriter-Lamenti wie das bedauernd tĂ€nzelnde “Moon” ĂŒber das Hin und Her einer Liebe, das tapfer vorwĂ€rts blickende “New Ruins” oder das eigene SchwĂ€chen thematisierende “King of the Dead” (“They call me king of the dead / ’cause I have a hard time with the living”) allesamt wunderbar eindringliche Folk-Perlen.

Doch dieses Mal ist da noch mehr: Mehr Instrumentierung durch Drums, Bass, Orgeln, mehr Verzerrung und damit mehr Möglichkeiten: der fesselnde Opener “Dark Tower” beispielsweise, eine tonale ebenso wie inhaltliche Hommage an den viel zu frĂŒh gestorbenen Chris Cornell. In “Hammer To Fit” wummern die Orgeln fast zuversichtlich, ja optimistisch, wĂ€hrend die Gitarren an die flirrenden WĂŒstensounds der Tucson-Szene erinnern. Der auf Ochs-Platten mittlerweile obligatorische Country-Song kommt dieses Mal noch deutlicher, noch kompromissloser daher: “Gun In The Cradle” ist auf angenehm unprĂ€tentiose Weise uramerikanisch. Und “Drunken Monkey” tĂ€nzelt cool um einen verzuckerten Refrain, der lupenreiner Pop ist.

Auf der anderen Seite, quasi als Kontrast zu diesen lichten Momenten, stehen dunkel brodelnde Songs aus schlaflosen NĂ€chten wie das im Schmerz badende “Waiting For The Pain”, oder das erschöpft delirierende “All Too Bright”, die mit ihrem schattigen Blues Folk an den Meister der morbiden LaszivitĂ€t Nick Cave oder auch ein wenig an Bowie erinnern. Und wenn dann die Gedanken und Emotionen wie FiebertrĂ€ume im Gospel-Rocker “Crawling” regelrecht manisch werden, verschmelzen Lust und Schmerz.

Und so fĂ€chert “Doom Folk” die unbedingte AuthentizitĂ€t von Conny Ochs abwechslungsreicher auf als je zuvor: Melancholie und Wahnsinn, ZermĂŒrbung und Hoffnung, eingebettet in das Spiel aus Laut und Leise, mal getragen vom reinen, angenehmen Ton um dann wieder in der Dissonanz, den eine in die SĂ€ttigung gefahrene VerstĂ€rkerröhre intoniert, aufgelöst zu werden.
    
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